Eva-Lotte

Klassische Narratologie unterscheidet zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit, Prolepsen und Analepsen = zwischen Anordnung, Tempo und Frequenz. Das Mittelalter bevorzugt einsträngiges und chronologisches Erzählen. Raffungen, Streckungen und Einschübe gibt es natürlich trotzdem. Besondere Zeitphänomene mittelalterlichen Erzählens umfassen:
• Episodische Zeit (relativ zeitloses Erzählen)
• Mythische Vorzeit
• Heterochronien (unterschiedliche Zeit in unterschiedlichen Räumen)
• Paradoxa
• Achronien

Raum und Zeit entstehen erst durch die Figuren, die sich in ihnen bewegen. Unterschiedliche Zeiten werden oft durch unterschiedliche Räume dargestellt = Chronotopoi. Dort sind Raum und Zeit aneinander gekoppelt und die Zeit vergeht so, wie die Geschichte es benötigt. Jede Geschichte, jede Art von Erzählen, hat einen eigenen Chronotopos - und in vielen Geschichten gibt es mehrere Chronotopoi. Für das Mittelalter typisch sind beispielsweise locus amoenus und locus terribilis, Feen- und andere Inseln oder Orte wie beispielsweise die Minnegrotte in Gottfried von Straßburgs "Tristan".